Erfahrungen & Bewertungen zu Gabriel Schandl

Eine curriculare Fabel oder das Konzept individueller Unterschiede

Es gab einmal eine Zeit, da hatten die Tiere eine Schule. Das Lernen bestand aus Rennen, Klettern, Fliegen und Schwimmen, und alle Tiere wurden in allen Fächern unterrichtet.

Die Ente war gut im Schwimmen; besser sogar als der Lehrer. Im Fliegen war sie  durchschnittlich, aber im Rennen war sie ein besonders hoffnungsloser Fall. Da sie in diesem  Fach so schlechte Noten hatte, musste sie nachsitzen und den Schwimmunterricht ausfallen  lassen, um das Rennen zu üben. Das tat sie so lange, bis sie auch im Schwimmen nur noch  durchschnittlich war. Durchschnittsnoten aber waren akzeptabel, darum machte sich  niemand Gedanken darum, außer der Ente.
Der Adler wurde als Problemschüler angesehen und unnachsichtig und streng  gemaßregelt, da er, obwohl er in der Kletterklasse alle anderen darin schlug, als  erster den Wipfel eines Baumes zu erreichen, darauf bestand, seine eigene Methode anzuwenden.
Das Kaninchen war anfänglich im Laufen an der Spitze der Klasse, aber es bekam einen  Nervenzusammenbruch und musste von der Schule abgehen wegen des vielen  Nachhilfeunterrichts im Schwimmen.
Das Eichhörnchen war Klassenbester im Klettern, aber sein Fluglehrer ließ es seine Flugstunden  am Boden beginnen, anstatt vom Baumwipfel herunter. Es bekam Muskelkater durch  Überanstrengung bei den Startübungen und immer mehr „Dreien“ im Klettern und „Fünfen“ im  Rennen.
Die mit Sinn fürs Praktische begabten Präriehunde gaben ihre Jungen zum Dachs in die Lehre,  als die Schulbehörde es ablehnte, Buddeln in das Curriculum aufzunehmen. Am Ende des Jahres  hielt ein anormaler Aal, der gut schwimmen, etwas rennen, klettern und fliegen konnte, als  Schulbester die Schlussansprache.